Ich bin ziemlich geflasht von „Die beste Instanz“, die Talkrunde, die die Comedian und politische Akteurin Enissa Amani kurzerhand organisiert hat. Anlass war das Trauerspiel „Die letzte Instanz“ im WDR, bei der ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr rausgekommen bin. Warum sendet man so etwas?

Und gleichzeitig kenne ich aus meinen Schreib-Workshops genau diese abgehalfterten Äußerungen. Häufig gibt es einen Block zu gendergerechter Sprache und schwuppdiwupp sind wir bei diskriminierungssensibler Sprache – und Alltagsrassismus.

Einmal ist es mir tatsächlich passiert, dass jemand versuchte, das N-Wort zu rechtfertigen mit „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ Glücklicherweise war dieser Mensch alleine mit seiner Haltung und gemeinsam mit den anderen Teilnehmenden konnten ich dafür sorgen, dass klar wird, dass und warum das nicht geht. Bei der Arbeit an dem Projekt zu Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung habe ich außerdem gelernt, in welch frühem Alter rassistische Sprachhandlungen beginnen.

Und obwohl ich mich schon lange mit dem Thema beschäftige, habe ich immer zwischendurch das Gefühl, zu schwimmen. Ich weiß einfach an der einen oder anderen Stelle noch nicht genug. Und manchmal gibt so viele Ansätze, dass es mich verwirrt. Seit der Talkrunde „Die beste Instanz“ weiß ich, das darf sein. Durch die Bündelung des Wissens von sechs Expert:innen habe ich viel Neues mitgenommen. Ein paar Dinge habe ich mir notiert, die ich gerne teilen möchte:

  • Zunächst die beruhigende Message von Enissa Amani: Es ist in Ordnung, dass man noch nicht alles weiß. Aber lernen zu wollen, zu fragen, offen zu sein und zuzuhören – das ist wichtig im Umgang mit den Worten.
  • Denn: Sprache prägt unser Denken und Handeln. Sie spiegelt unsere tägliche Realität. Daher ist es auch kein Selbstzweck, über Sprache zu sprechen. Diskriminierende Sprache führt zu einem Machtmissbrauch.
  • Gianni Jovanovic hat das so schön gesagt: Wir haben das Recht, alles sagen zu dürfen. Aber ich muss mich fragen, was ich mit meiner Sprache auslöse.
  • Hier ist es wichtig zwischen Beleidigung und Rassismus zur unterscheiden? Dafür lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Begriffe. Handelt es sich um eine rassistische Fremdbezeichnung, um verletzende Sprache, um re-traumatisierende Sprache, um Sprache, die Menschen als untergeordnet definiert – dann bewege ich mich klar im Feld des Rassismus.
  • Sehr wichtig auch zu der Aussage, das hörte ich in meinem Seminar damals nämlich auch: „Ich kenne eine betroffene Person, die hat mit dem Begriff gar kein Problem.“ Das ist keine Rechtfertigung, weil … siehe oben.
  • Und ganz wichtig: Die Abkürzungen, die manchmal notwendig sind, um klar zu machen, worüber wir sprechen, sind kein Ersatz. Sie sind Begriffe für den Übergang, um dann die Selbstbezeichnungen zu nutzen.

Das sind nur meine Take-outs aus der Runde mit Gianni Jovanovic, Natasha A. Kelly, Max Czollek, Mohamed Amjahid, Nava Zarabian und Enissa Amani. Am besten selbst schauen. Zum Video gehts hier.

Ich habe eine Menge Inspirationen aus der Sendung mitgenommen, wie ich mein Wissen erweitern kann. Vielen Dank!

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