Warum wir manchmal von Hand schreiben sollten

Es ist wie Wasser auf meinen Mühlen: In der Zeitung Die Zeit fand ich den spannenden Artikel „Wie das Schreiben das Denken verändert“ von Katrin Zeug. Einige Erfahrungswerte, die ich regelmäßig in meinen Schreibworkshops lehre, fand ich hier wieder – inzwischen erforscht von Neurologen. Das hat mich dazu veranlasst, noch einmal darüber nachzudenken und Essenzen zu entwickeln.

Was es bringt, von Hand zu schreiben

Ich empfehle in Workshops oft, gerade die Texte, die besonders schwer fallen, erst einmal mit der Hand zu schreiben. Diesen Ansatz fand ich mehrfach bestätigt:

  1. Die Texte sind kreativer.
  2. Man stellt die Zusammenhänge besser dar.
  3. Die niedergeschriebenen Dinge bleiben besser im Kopf hängen.

Zwei Gründe scheinen dafür ausschlaggebend zu sein: Die Verbindung von motorischer Bewegung und Gedanken sowie die Verlangsamung des Tuns, die Zeit lässt, gedankliche Verbindungen herzustellen.

Haptik und Haltung beim Schreiben

Das, was wir am Computer oder im Handy schreiben, scheint keinen so nachhaltigen Eindruck in unserem Hirn zu hinterlassen, da sich alles gleich anfühlt. Das kenne ich von meinem Kalender. Ich habe einen digitalen Kalender, aber nur um Termine zu teilen. Mein „echter“ Kalender wird schön mit der Hand gefüllt und ist was ganz besonderes. Darüber hatte ich hier schon einmal geschrieben.

Sehr spannend, wenn auch wenig überraschend, fand ich zudem, dass wir je nachdem, mit welchem Medium wir schreiben, wir sehr unterschiedlich schreiben. Man überlege sich nur, wie unterschiedlich man eine SMS und eine Postkarte aus dem Urlaub schreibt. Dies könnte einen dazu veranlassen, vielleicht das Medium noch einmal zu überdenken, das man nutzt. Postkarten sind herzlicher, oder?

Schreibübungen helfen

Sehr beruhigend für alle: Wer das Schreiben regelmäßig übt, wird auch besser. Und wie mir scheint, ist es am sinnvollsten, diese Schreibübungen von Hand zu verfassen, denn dann werden die Texte kreativer und komplexer. Ich musste spontan an Philippe Djian denken, der in seinen Werken immer wieder einen Ich-Autor hat, der hartnäckig an seinem Schreibstil feilt. Das können wir auch.

Ganz spontan fallen mir gerade zwei Bücher ein, in denen Übungen sind, die ich schon immer mal ausprobieren wollte:

Hat jemand noch andere Tipps? Dann immer her damit!

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Foto: Thomas Ecke

 

6 Gedanken zu “Warum wir manchmal von Hand schreiben sollten

  1. Buchtipps? Ja, dazu hätte ich einen wirklich guten:

    Dieter E. Zimmer: Die Elektrifizierung der Sprache.

    Der Autor, damals Mitarbeiter der ZEIT, stellt die digitale Revolution des Schreibens auf 284 Seiten sehr fundiert dar. Das Buch ist auch leicht lesbar. Leider ist es von 1990, seitdem hat sich ja vieles getan. Der große Wurf vom Stift zur Tastatur war aber schon geschehen.

  2. Vielen Dank für den Input! Musik nutze ich auch viel, um mein Schreiben zu befeuern. Und man kommt in der Tat manchmal aus der Übung, mit der Hand zu schreiben und es folgt der Schreibkrampf. Das kenne ich auch.

  3. ich schreibe nur mit der Hand, „bevor“ ich schreibe. D.h. ich mache Listen von Situationen, arbeite mit Musik, an die ich mich erinnere und assoziiere dann. Und ich mache mir Zeichnungen mit assoziativen Begriffen. Schreiben kann ich nur am Mac – da muss ich auch nicht nachdenken, es fließt. Wenn ich längere Texte mit der Hand schreiben muss, kriege ich regelmäßig einen Schreibkrampf.

  4. Mir geht das ganz ähnlich. Gerade wenn ich noch keine Struktur habe, fällt es mir leichter, dies von Hand zu schreiben. „Schick“ mache ich es dann am Computer. Dank Dir. Alexandra!

  5. Hallo,
    das sehr interessante Erkenntnisse über das per Hand schreiben. Ich nutze es beim Plotten meiner Geschichte auch immer sehr intensiv, weil ich dann auch das Gefühl habe, kreativer zu sein. Vielleicht, weil ich beim Hochblicken nicht auf einen leeren Bildschirm starre, sondern aus dem Fenster oder auf die Straße,… Ausformuliert wird die Geschichte dann aber doch am PC. Änderungen lassen sich hier deutlich schneller einarbeiten. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile.
    Liebe Grüße, Alexandra

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