Prokrastination: Ein sperriges Wort und was dahinter steckt

Gastbeitrag von Simone Blaschke

Das sogenannte Blogwichteln im Texttreff, dem Netzwerk für wortstarke Frauen (ca. 1000 Mitglieder) bringt jedes Jahr um die Weihnachts- und Neujahrszeit zwei Bloggerinnen zusammen, die aus einem Pool einander zugelost werden. Sie schreiben dann im jeweils anderen Blog einen Beitrag und bewichteln somit diese Netzwerkkollegin. Erstmals habe auch ich teilgenommen und das gleich mit zwei Blogs. Denn außer meinem Unternehmensblog unter ww.blaschke-pr.de/blog betreibe ich seit einem knappen Jahr ein Reiseblog. Dort hat mich meine liebe Netzwerk-Partnerin Cornelia Altenburg mit einem wunderbaren Blogbeitrag über Regensburg bewichtelt. Schaut mal rein, sie hat tolle Tipps für eine Städtetour zusammengestellt.

Ich wiederum darf mich hier in ihrem Blog über das Thema Prokrastination austoben.

„Aufschieben“ ist für viele ein echtes Problem

In unserem Texttreff tauschen wir uns hauptsächlich online aus, weil die Netzwerk-Mitglieder in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich verstreut sind. Dort wurde zwar schon oft die Prokrastination thematisiert, ich habe mich aber ehrlich gesagt nie näher damit auseinandergesetzt. Weil sich auch Cornelia damit näher beschäftigt, war meine Neugier geweckt. Warum weiter aufschieben? 😉 Also ran an den Speck und schauen, worum es bei dem sperrigen Begriff genau geht.

Erst einmal, woher kommt das Wort? Es stammt vom lateinischen Wort procrastinare, was so viel wie „vertagen“ bedeutet, auf gut Deutsch ums Aufschieben. Also, das, was auch ich jeden Tag mache: ToDo-Listen schreiben, die Hälfte nicht erledigen und auf den nächsten Tag verschieben. War´s das? Ist das schon ein Problem? Klar fühle ich mich nicht wohl dabei, bis abends oder zum Ende der Woche nicht das erreicht zu haben, was ich mir fest vorgenommen habe. Aber meistens schaffe ich es dann ja doch, nur eben in einem etwas größeren Zeitfenster. Zugegeben, sehr oft kommt mir das „digitale Zeitalter“ dazwischen. Mal eben auf Facebook gucken, ob jemand meinen neuesten Blog-Beitrag geliked hat, oder beim Recherchieren für einen Kunden-Text bei einem völlig anderen, total spannenden Thema im Netz hängenbleiben und das zuerst lesen.

Bin ich also schon längst mit der „Aufschieberitis“ infiziert und habe es nicht bemerkt? Und wenn ja, wie schlimm steht es um mich?

Engelchen und Teufelchen streiten sich

Viele Experten, darunter auch ein amerikanischer Autor namens Tim Urban, haben sich damit beschäftigt und festgestellt, dass sich im Kopf des Betroffenen (er nennt ihn Prokrastinierer) zwei miteinander ringende Gedanken abspielen. Sozusagen Engelchen und Teufelchen, die sich streiten. Die rationale Seite, das Engelchen, will handeln („Rational Decision-Maker“) und wichtige Aufgaben erledigen. Gestört wird dieser Part aber ganz häufig vom „Instant Gratification Monkey“, also dem Affen (oder Teufelchen), der sofort belohnt werden und einfach Spaß haben möchte. Was macht der Prokrastinierer dann lieber? Richtig, mit Freunden chatten, lustige Filmchen im Internet anschauen, oder eben mal schnell die Wäsche aufhängen. Alles besser, als die anstehende Steuererklärung ausfüllen (Bäh, kann ich gut verstehen). Dieser Tim Urban sagt „Man drückt sich vor allem, was negative Gefühle auslöst. Ob das im Unterbewusstsein stattfindet oder wir ganz genau wissen, was wir tun, ist dabei egal.“

Ok, das habe ich verstanden. Aber was ist die Lösung, um sich besser zu fühlen und die angestrebten Ziele zu erreichen?

Willenskraft und Selbstkontrolle zaubert man nicht einfach aus dem Hut

Natürlich ist mir klar, dass längerfristige Ziele, zum Beispiel eine Fortbildung oder die Neukundenakquise (Selbstständige, ihr wisst, was ich meine) durch das ständige Aufschieben beeinträchtigt werden. Ich habe mich schlau gelesen und finde so tolle Begriffe wie Willenskraft und Selbstkontrolle. Super, danke. Hey Leute, das ist ja schlau. Darauf wäre ich nie gekommen 😉 Aber wie sollen die Betroffenen das bitteschön so einfach aus dem Hut zaubern, wenn es genau daran hapert?

Und mal im Ernst: Wenn ich lese, dass aus einer „echten“ Prokrastination dauerhaft schlechte Leistungen und eine hohe Unzufriedenheit resultieren und bei den Betroffenen zu starken psychischen und körperlichen Leiden führen können, dann kann man das nicht einfach als „Trödelei“ abtun.

Was kann man gegen die vermeintliche Schwäche tun?

Ein Blogger, der sich mit dem Thema befasst, zitiert Forscher aus Freiburg: „Wer davon ausgeht, dass er seine Ziele nicht erreichen wird, neigt zur Prokrastination. Durch das Aufschieben verschlechtert sich der Glaube an den eigenen Erfolg weiter, was zu noch mehr Prokrastination führt. Der Teufelskreis beginnt, die Ergebnisse werden immer schlechter.“

Man muss es schaffen, Aufgaben konsequent zu erledigen. Aber wie genau geht das?

Wie so oft im Leben, gilt auch hier: Es gibt keine Patentlösung. Aber ein paar Punkte habe ich bei meinen Recherchen herausgefunden – und das ist doch schon mal was für euch da draußen, die lieber diesen Blog lesen (*grins*) als eine wichtigere Aufgabe zu erledigen:

  1. Schritt: Ich beschäftige mich mit diesem Thema (Erkenntnis)
  2. Schritt: Ich muss mich fragen, warum ich Dinge verschiebe (Angst, falsche Ziele)
  3. Schritt: Konkrete Ziele, positive Perspektiven schaffen, Methoden und Belohnungsmuster einführen, um notwendige Dinge schnell zu erledigen (Selbstmotivation)
  4. Schritt: Angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen und Stundenplan entwickeln (Wohlfühlen)

Ich persönlich finde mich zwar in vielen der genannten Eigenschaften und Gefühle rund ums Prokrastinieren wieder, fühle mich aber nicht ernsthaft gefährdet. Abgesehen davon finde ich es inzwischen sogar befreiend, dass ich bei manchen Aufgaben auch mal mit einer Zwei minus zufrieden bin. Hauptsache, die Sache ist erledigt. Und ich genieße auch gerne einfach mal die Zeit, in der ich ganz dumpf vor mich hindenke und nichts tue (oder tun muss). Ist doch auch was Schönes, gerade weil ich mich selbst als kleine Perfektionistin bezeichnen würde. Mich holt die Selbstdisziplin und Willenskraft oft von ganz alleine wieder ein, da kann ich ganz beruhigt sein.

Vielen Dank für die neuen Einsichten, liebe Simone!

Simone Blaschke_Kultreise

Meine Blogwichtel-Autorin Simone Blaschke aus Bonn ist PR-Redakteurin, Bloggerin und Eventmanagerin für Fachveranstaltungen. Nach ihrem Geografie-Studium absolvierte sie ein Hörfunk-Volontariat, arbeitete zunächst beim Radio, bevor sie auf die PR-Seite wechselte und in einer renommierten PR-Agentur (u. a. für die Deutsche Telekom) arbeitete. Seit 2003 ist sie mit Blaschke PR selbstständig, seit März 2017 hat sie außerdem ein eigenes Reiseblog.

Foto © Blaschke PR

 

 

2 Gedanken zu “Prokrastination: Ein sperriges Wort und was dahinter steckt

  1. „Willenskraft und Selbstkontrolle zaubert man nicht einfach aus dem Hut“ – wohl wahr. Deshalb finde ich den 4. Schritt, die Wohlfühlatmosphäre so wichtig. Und dass im Stundenplan nicht nur die Aufgaben, sondern – ganz wichtig – auch die Pausen enthalten sind. Danke für den Text.

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