Text überarbeiten – eine Freude?

I love that part: that´s the best part, revision. I do it even after the books are bound! Thinking about it before you write it is delicious. Writing it all out for the first time is painful because so much of the writing isn´t very good. I didn´t know in the beginning that I could go back and make it better; so I minded very much writing badly. But now I don´t mind at all because there is that wonderful time in the future when I will make it better, when I can see better what should have said and how to change it. I love that part!

Das sagte die amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison auf die Frage von Jane Bakerman: „How much effort do you put into revising your work?“, (The Seams Can´t Show. An Interview with Toni Morrisson, in: Black American Literature, Sommer 1978).

Als ich dieses Zitat das erste Mal am Schreiblabor der Uni Bielefeld hörte, habe ich verzweifelt gelacht. Für mich war das Überarbeiten gerade von wissenschaftlichen Manuskripten lange Zeit der schmerzhafteste und anstrengendste Schritt. Wieder und wieder über meinen eigenen Text zu gehen und mir zu überlegen, ob es gut ist, ob es besser geht. Das soll Freude bereiten?

Toni Morrisons Überlegungen helfen, die ersten Worte zu Papier zu bringen – so weit verständlich. Ich finde es beruhigend für das Schreiben, dass es nicht auf Anhieb perfekt sein muss und ich es später immer noch besser machen kann. Diese Herangehensweise dient also zur Bekämpfung erster Anzeichen von Schreibblockaden.

Bleibt die unangenehme Prozedur, das eigene Geschriebene zu verbessern. Mir hilft es, das Überarbeiten in einzelne Etappen zu unterteilen und eins nach dem anderen zu erledigen. Ich schreibe mir die einzelnen Schritte in mein Logbuch und freue mich jedes Mal, wenn ich einen weiteren Haken dran machen kann.

  1. Ich lese den Entwurf durch und entscheide, was drin bleiben kann.
  2. Zeit sich zu trennen: Alles, was die Storyline stört, kommt weg. Die Gedanken, bei denen ich fürchte, dass ich sie noch einmal brauchen könnte, kommen in ein ‚Zwischenlager‘, eine eigene Datei.
  3. Dann geht es an die Argumentationslinien. Ich sortiere die einzelnen Absätze und bringe sie in die richtige Reihenfolge.
  4. Anschließend ‚hübsche‘ ich das ganze auf und füge verbindende Passagen und fehlende Informationen ein.
  5. Dann geht es an die Sprache und die Grammatik.
  6. Zum Schluss nehme ich noch einmal Anfang und Ende unter die Lupe und schaue, ob alle Versprechen eingelöst wurden und es rund ist.
  7. Nach einer letzten prüfenden Lektüre heißt es zum ersten Mal Abschied nehmen: Der Text geht an einen externen Korrekturleser – verbunden mit einer klaren Frage, worauf er achten soll.

Das ist für mich die größte und wichtigste Hürde. Denn danach habe ich ein Feedback auf meinen Text, füge schlicht die Korrekturen ein und kann in die Endrunde und die Endabgabe gehen. Seitdem ich so strukturiert heran gehe und treue Gegenleser habe, macht es mir tatsächlich Spaß, meine eigenen Texte zu überarbeiten.

Für kürzere Texte gibt es übrigens einige nette Textanalyse-Tools wie zum Beispiel vom Schreiblabor oder von der Wortliga. Sie ersetzen keinen Korrekturleser, helfen aber, den eigenen Stil zu verbessern.

Im Sinne von Toni Morrison also: Viel Spaß am Überarbeiten!

Text_ueberarbeiten

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