Wie wollen wir eigentlich arbeiten?

Wenn ein Ministerium mit #arbeitenviernull sich das Thema auf die Fahnen schreibt und es unter anderem eine Wissenschaftliche Tagung dazu geben soll, kann man davon ausgehen, dass die Frage inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Vorbei die Zeiten, in denen man sich über die jungen Kreativen im St. Oberholz in Berlin-Mitte lustig gemacht hat. (Für die gehobene Unterhaltung beachte man bitte die Lost and Found-Seite, aber das nur am Rande). Wer heute schafft, zu dessen Alltag gehört es oftmals auch, dass öffentliche Räume zum temporären Arbeitsplatz werden – sei es im Zug, im Café oder im Park. Möglich ist das in manchen Branchen überall und jederzeit.

Während nun für die eine oder andere Firma die Frage auftaucht, wie man das Ganze in Abstimmung mit Personalrat und Gesundheitsschutz in Einklang bringen kann, finde ich die Frage außerordentlich spannend, was das über uns Zeitgenossen aussagt. Wonach streben wir eigentlich? Bei der Halbzeitkonferenz des BMAS wurde sehr deutlich, dass sich zwei scheinbar widerstreitende Interessen gegenüberstehen: Freiheit/Flexibilität und Sicherheit/Regelmäßigkeit. Also wollen wir gar nicht absolute Freiheit und Flexibilität, sondern eher eine Flexibilität „mit Geländer“?

Eigentlich ganz nachvollziehbar: Freiheit und Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten und der Arbeitsorte, weg vom Nine-to-five, weg von der Montag-bis-Freitag-Woche, hin zu flexiblen Wochenarbeitszeiten, Arbeitsmodelle, die an Lebensphasen wie Familienzeiten, Pflegezeiten und Powerzeiten orientiert sind – das ist inzwischen allerorten im Gespräch.

Aus den verschiedensten, bisweilen durchaus auch abseitigen Ecken wird in Studien vermittelt, dass der Mensch für seine Zufriedenheit einen gewissen Lebensrhythmus braucht – regelmäßige Schlafenszeiten, regelmäßige Essenzeiten, Rituale etc. Das scheint gut zu tun und vor allem scheinen die meisten Menschen gerade in Krisenzeiten genau auf diesen Rhythmus angewiesen zu sein.

Die Mischung macht’s vermutlich, vor allem wenn die Höhe des Geländers nicht von zentraler Stelle vorgegeben ist und die Freiheit in anderen Bereichen wieder beschneidet. Freiheit mit Geländer könnte also heißen, dass sich Erlebnisgesellschaft und Wirtschaftswunderidealismus zusammenführen ließen? Eine geniale Utopie!

 

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