Über die Kunst, ein Buch fertig zu schreiben

Während mir das Schreiben an sich sehr leicht fällt, empfinde ich das Fertigstellen eines Buches als besonders anstrengend – beinahe als Qual. Eigentlich kein Wunder, schließlich möchte man allen Perfektionismus, allen Vollständigkeitsanspruch und alle Ideen in diesem Endprodukt vereint wissen. Und dies ist per se ein unmenschlicher Anspruch.

Sowohl Romanschreiber als auch Schreiber in der wissenschaftlichen Zunft kennen diesen Moment: Man muss den Sack zu machen und mit dem, was darinnen ist, ein gutes Ende finden. Die Wege dahin sind ebenso vielfältig wie die Schreibernaturen. Ich habe für mich drei Aspekte herauskristallisiert, die mir helfen, einen Schluss zu finden.

Mein wichtigstes Moment dabei ist definitiv Zeitdruck. Wenn ich einen Termin habe, dann halte ich ihn ein. Schwierig nur, wenn dieser Termin aus mir selbst heraus kommen muss. Da gibt es natürlich auch den einen oder anderen Trick: Man sagt seinen Korrekturlesern einen verbindlichen Termin zu, an dem sie das Manuskript bekommen. Oder noch viel schöner und auch schon erfolgreich von mir getestet: Man bucht eine Reise, bis zu der es fertig sein muss. Dann ist es ein bisschen wie bei den 45 Minuten. Ganz automatisch konzentriert man sich auf das Wichtigste.

Gegen die Angst, etwas Entscheidendes zu vergessen, hilft mir mein Schreibtagebuch. Das ist eine Kladde, in die ich jedes Mal, wenn ich an dem Werk sitze, eintrage, was ich getan habe. Ich notiere Ideen, die noch ihren Platz finden sollen, und ich schreibe die To-dos fürs nächste Mal auf. Dadurch weiß ich immer, wenn ich mich wieder dransetze, wo ich das letzte Mal war und was als nächstes ansteht. In dieser Kladde findet sich auch mein wichtigstes Dokument, nämlich der Schreibplan. Bei mir ändert er sich immer mal wieder, doch das grobe Gerüst steht natürlich irgendwann. In der Strukturierungsphase klebe ich mir ein riesiges Papier an die Wand und schreibe alles auf, was dafür notwendig ist. So gewinne ich einen Überblick und der manchmal unbezwingbar erscheinende Berg wirkt gleich wesentlich kleiner.

Mir hilft es außerdem, einzelne Texte frühzeitig aus der Hand zu geben. So bekomme ich schnell Feedback von meinen Korrekturlesern, was funktioniert und was nicht. Ich kann die Anmerkungen beim weiteren Schreiben gleich berücksichtigen und bekomme eine Gefühl dafür, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Das mindert die Selbstzweifel auf dem bisweilen steinigen Weg ungemein. Und vor allem habe ich am Ende nicht ein riesiges noch nie gelesenes Manuskript. Meistens sind alle Kapitel schon mindestens einmal gelesen und ich kann mich auf das große Ganze konzentrieren.

So, und jetzt buche ich mal eine Reise für den März …

 

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