Genusskochen im Alltag

‚Viele Deutsche können nicht mehr kochen‘, diese Diagnose stellte der Ernährungsmediziner Hans Hauner bereits Mitte 2014. Mir lief sie kurz vor Weihnachten 2015 über den Weg.

Seitdem ich über Kochkurse und die Genusswelt texte, geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, dass es eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch, nachhaltig und gesund zu genießen, und der tatsächlichen Möglichkeit, entsprechend zu leben, zu geben scheint. Während manche Menschen Wert auf traditionell handgemachten Käse von glücklichen Kühen legen, setzen andere auf Convenience Food. Ich würde sogar behaupten, dass es nicht selten dieselben Menschen sind.

Machte man sich früher über die jungen Männer lustig, die von zu Hause auszogen und mal gerade eine Spiegelei verbrennen konnten, habe ich den Eindruck, dass das auch vielen jungen Frauen heute und schon seit einigen Jahren so geht. Wenn man mal ein wenig in die Geschichte schaut, tauchten genau Ende der 1980er Jahre parallel zur Fitness-Welle die Fertiggerichte aus der Gefriertruhe auf, die gerne im Direktvertrieb mit dem Tiefkühlwagen individuell vor die Haustür gefahren wurden. Nicht neu damals, aber nun erreichte die Fertigkost wesentlich mehr Menschen – ebenso wie die Mikrowelle, die es seit 1947 gibt, aber ihren wahren Boom in Deutschland Ende der 1980er und Anfang der 1990er erlebte.

Während die Frauen – oftmals auch Hausfrauen – in Westdeutschland in eben dieser Zeit noch fleißig gekocht haben, scheinen sie ihr Wissen nicht an ihre Töchter und Söhne weiter gegeben zu haben. Oder wie ist das, liebe Generation Golf? Die Genusskocher scheinen dafür mehr zu werden. Dafür spricht die Lust an Kochkursen und Kochblogs.

Ich habe mich bislang auch auf das Genusskochen beschränkt – etwa fünf Mal im Jahr für besondere Gäste. Salate, Gemüsereis und Pasta alla Mamma zählen nicht. Nicht, dass ich nicht kochen könnte, mir fehlt schlicht das Repertoire und vor allem die Routine. Als ich die Aussage von Hans Hauner las, beschloss ich, dem etwas entgegenzusetzen. Die Jahreswendezeit ist ja außerdem eine Zeit, in der man sich überlegt, was man besser machen könnte. Und da ich sehr gerne lecker esse, ist mein Ziel für dieses Jahr, das Genusskochen in den Alltag zu integrieren – drei Mal pro Woche. Bisher klappt es gut. Am Sonntag gabs vegane Zucchini-Spaghetti Carbonara – total lecker und schnell zubereitet!

Einen Effekt kann ich allerdings gar nicht nachvollziehen: die angeblich kontemplative Komponente des Kochens selbst. Mein einziger Zweck ist das Schlemmen. Da bin ich absolut ergebnisorientiert.

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Auch ein Sonntagsgericht aus dem Buch von Latife & Hilal Arslantas „Echt türkisch! 80 Originalrezepte von Börek bis Baklava“ von 2013.

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